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Nierentransplantation

Operation

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Vorbereitung und Ablauf

Völlige Unabhängigkeit von der Dialyse kann nur durch eine Nierentransplantation erreicht werden. Dadurch entfällt der Zwang, sein Leben ständig nach der Notwendigkeit einer Blutwäsche auszurichten.

Bei einer Nierentransplantation wird eine neue funktionstüchtige Niere in den Körper eingepflanzt, die alle Funktionen der eigenen Niere übernimmt.

Derzeit stehen von den ca. 50.000 Patienten, die sich in Deutschland einer dauerhaften Dialysebehandlung unterziehen müssen, ca. 10.000 auf einer Warteliste für die Nierentransplantation (ca. 2.300 von ihnen können jährlich mit einem neuen Organ versorgt werden (Quelle: DSO). Durchschnittlich vergehen heute fünf bis sechs Jahre, bis für einen Patienten auf der Warteliste ein geeignetes Organ verfügbar ist. Dies ist nicht nur eine lange Zeit; es steigt ab einer bestimmten Anzahl von Dialysejahren auch das Risiko, dass außer der Niere noch andere Organe Schaden nehmen. Darüber hinaus verbessert sich das Transplantatüberleben, je früher im Dialyseverlauf transplantiert wird.

Weitere Infos auf den Seiten der Nephrologie, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
  
Vorbereitung zur Transplantation

Vor einer geplanten Nierentransplantation sind in der Regel zahlreiche Untersuchungen nötig. Die Diagnostik umfasst hierbei nicht alleine die Nieren, sondern auch Herz, Lunge und andere Organsysteme.

Je nachdem, welche Nierenerkrankung und eventuell weitere Erkrankungen vorliegen, muss eine umfassende Diagnostik vor einer Transplantation erfolgen, um einen optimalen Behandlungserfolg zu gewährleisten.

Zu den möglichen Untersuchungen zählen:

  • Laboruntersuchungen des Empfängers (u.a. Blutbild, CRP, Gerinnung)
  • Präoperative Routinediagnostik (EKG, Röntgen-Thorax, Abdomen-Sonographie, ggfs. Echokardiographie)
  • Körperliche Untersuchung mit Augenmerk auf die Gefäße und zum Ausschluß von Infektionen

Eine Blutuntersuchung gehört zu den wichtigsten Untersuchungen, denn anhand dieser wird das Spenderorgan auf Ihre Werte abgestimmt. Für die Übereinstimmung sind insbesondere der Gewebetyp und die Blutgruppe entscheidend.

Jeder Mensch hat einen speziellen Gewebetyp, der durch viele Merkmale charakterisiert ist. Ein entscheidendes Merkmal des Gewebetyps sind die so genannten HLA-Antigene (Humane Leukozyten Antigene), die man auf den weißen Blutkörperchen bestimmen kann. Die Hälfte des Gewebetyps stammt jeweils vom Vater und von der Mutter. Geschwister können den gleichen HLA-Gewebetyp haben (25%-ige Chance), vollkommen identisch sind aber nur Gewebe von eineiigen Zwillingen.

Je besser der HLA-Typ zwischen Spender und Empfänger übereinstimmt, desto besser sind die Chancen für eine langjährige Funktion der Niere.

Auch die Blutgruppe (A, B, AB oder 0) ist ein wichtiges Gewebemerkmal. Die Blutgruppe muss zwischen Spender und Empfänger identisch sein (Ausnahme: Blutgruppe 0 kann auf alle Empfänger übertragen werden, Blutgruppe AB kann jede Blutgruppe empfangen).

Blutgruppenverträglichkeit

Blutgruppenverträglichkeit
Blutgruppe  Mögliche Spender  Mögliche Empfänger 
0, A, B, AB 
A, 0  A, AB 
B, 0  B, AB 
AB  0, A, B, AB  AB 
 

Sind die von den Nephrologen durchgeführten bzw. initiierten Untersuchungen abgeschlossen, so werden die erhobenen Befunde gemeinsam mit dem Chirurgen besprochen und die Aufnahme auf die Warteliste diskutiert. In bestimmten Situationen kann eine Aufnahme auf die Warteliste abgelehnt werden, insbesondere wenn kein Behandlungserfolg erreicht werden kann oder die Transplantation ein zu großes Risiko darstellt, wie z.B. bei:

  • nicht kurativ behandelte bösartige Erkrankungen
  • klinisch manifeste Infektionserkrankungen
  • schwerwiegende zusätzliche Erkrankungen (z.B. Herz- und Gefäßerkrankungen, Bronchial- und Lungenerkrankungen, Lebererkrankungen)

Bei der Aufnahme in die Warteliste soll stets der körperliche und seelische Gesamtzustand des Patienten hinsichtlich eines Behandlungserfolges eingeschätzt werden. Dies erfordert zudem eine regelmäßige Vorstellung in der nephrologischen Ambulanz. Des weiteren muß der Patient ständig telefonisch erreichbar sein, um im Fall eines geeigneten Spenderorgans zu Verfügung zustehen.

Ablauf der Transplantation

Kommt es nun zu einem Organangebot durch Eurotransplant und erlaubt der aktuelle Gesundheitszustand des Empfängers die Transplantation, so wird der Eingriff durchgeführt. Normalerweise wird nur eine Niere verpflanzt, denn sie übernimmt nach erfolgreicher Transplantation alle erforderlichen Aufgaben.

Nach Ankunft des Patienten in der Klinik erfolgt direkt vor der Transplantation nochmals eine körperliche Untersuchung, eine Blutentnahme sowie üblicherweise eine Ultraschalluntersuchung. Abhängig von den Laborwerten wird eventuell wird noch eine Dialyse durchgeführt. Die Spenderniere wird parallel hierzu genaustes überprüft und auf Schäden untersucht.

Neue Niere liegt im Beckenraum

So schnell wie möglich wird danach die Transplantation durchgeführt, um die Zeit der Niere ohne Durchblutung (so genannte Ischämiezeit) möglichst gering zu halten. Eine sofortige und adäquate Funktionsaufnahme des Transplantats ist ein entscheidender Vorteil für einen langfristigen Transplantationserfolg. Neben spenderseitigen Faktoren (zum Beispiel Alter des Spenders, Funktionszustand der Spendernieren zum Zeitpunkt der Organentnahme) und der warmen Ischämiezeit ist die spontane Funktionsaufnahme auch von der Dauer der Konservierungszeit ("kalte Ischämiezeit") abhängig. Dies ist die Aufbewahrungszeit von Organen außerhalb des menschlichen Körpers. Prinzipiell sollte deshalb die Konservierungszeit so kurz wie möglich gehalten werden, Das gilt insbesondere bei Nieren von älteren Organspendern und Organen mit eingeschränkter Funktion zum Zeitpunkt der Entnahme sowie bei längerer warmer Ischämiezeit. Nach der Entnahme werden die Spendernieren mit einer gekühlten Lösung perfundiert oder kalt gelagert und, je nach Art der Konservierung, spätestens innerhalb von 48 bis maximal 72 Stunden transplantiert.

Die Transplantation selbst dauert je nach den Verhältnissen im Operationsgebiet zwischen 2,5 und 4 Stunden. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Die eigenen, in der Flankenregion liegenden Nieren werden - bis auf wenige Ausnahmen (Infektionen, große Zystennieren) - üblicherweise belassen. Die Transplantatniere hingegen wird in die Beckenregion eingepflanzt. Es erfolgt zunächst ein etwa 20 cm langer bogenförmiger Hautschnitt im Bereich der Leiste. Danach werden die Beckengefäße aufgesucht, an die die Nieregefäße dann angeschlossen werden. Hierzu wird die Spenderniere aus der gekühlten Konservierungsflüssigkeit geholt. Nach Fertigstellung der Gefäßverbindungen wird schließlich der Harnleiter der Niere mit der Harnblase verbunden. Oft produziert die neue Niere schon während der Operation die ersten Tropfen Urin.

Schematische Darstellung des Operationsablaufes:

  • Einleitung des Empfängers (Narkose)
  • Simultane Vorbereitung und Untersuchung der Spenderniere (so genannte Kaltpräparation, ggfs. mit Gefäßrekonstruktion)
  • Hautschnitt mit Präparation der Beckengefäße
  • Einbringen der Spenderniere und Naht der Gefäßverbindungen (Anastomosen)
  • Naht des Harnleiters (Ureter) in die Harnblase
  • Spülung und Wundverschluß

  
Nach der Operation wird der Patient auf die Intensivstation gebracht und engmaschig die Funktion der Niere überwacht. Neben kontinuierlicher Kontrollen der Kreislaufparameter sowie der Urinausscheidung werden genau abgestimmte Medikamenten und Infusionen verabreicht. Zur Unterdrückung einer Immunantwort auf die "fremde" Niere werden spezielle Medikamente, so genannte Immunsuppressiva gegeben. Zusätzliche Informationen über die Transplantatniere und das Operationsgebiet geben Ultraschalluntersuchungen. Vor allem die Duplex-Sonographie gibt im Verlauf Auskunft über die Durchblutungssituation des Organs. Bereits am 1. Tag nach der Operation können die Patienten wieder aufstehen. Der Kostaufbau beginnt normalerweise mit dem 2. oder 3. Tag, wenn sich die Darmtätigkeit wieder normalisiert hat.

In manchen Fällen kommt es nicht sofort nach der Transplantation zu einer Urinproduktion der Niere, so dass unter Umständen noch Dialysebehandlungen notwendig werden. Dies kann beispielsweise durch die Ischämiezeit sowie viele andere Faktoren bedingt sein. Die Mehrzahl der Patienten scheidet allerdings schon sofort nach der Operation ausreichend Urin aus.

Um einer Abstoßung des transplantierten Organs zu verhindern, müssen Medikamente ("Immunsuppressiva") verabreicht werden. Diese Medikamente werden speziell direkt nach der Transplantation in höheren Dosierungen dosiert, da das Risiko von Abstoßungen in dieser Zeit besonders hoch ist. Nach und nach werden dann über die Zeit die Dosen reduziert. Unabdingbar zur Kontrolle der Nierenfunktion sind engmaschige Kontrollen der Laborwerte, Ultraschallunter-suchungen und ggf. die Durchführung von Biopsien. Hierbei wird nach örtlicher Betäubung die Transplantatniere und Gewebe zur Untersuchung entnommen.

Ist nach mikroskopischer Untersuchung eine Abstoßungsreaktion gesichert, wird eine entsprechende medikamentöse Therapie gegen die Abstoßung eingeleitet, die mit den heute verfügbaren Medikamenten einen Erhalt der Nierenfunktion in den meisten Fälle ermöglicht.

Bereits während des stationären Aufenthaltes wird der Patient geschult, die notwendigen Medikamente nach Plan einzunehmen und selbst zu kontrollieren, ob Anzeichen für eine Abstoßung oder für mögliche Infekte auftreten, ob Blutdruck und Wasserhaushalt normal sind. Nach 3 - 4 Wochen ist im Regelfall die Organfunktion so stabilisiert, dass der Patient in die weitere ambulante Nachsorge entlassen werden kann. Eine völlig stabile Situation ist in der Regel erst nach 3 Monaten zu erwarten.

 

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Letzte Aktualisierung: 21.10.2008 | Online-Redaktion
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