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10. Dezember 2010

Diagnose: Knorpelschaden

Internationales Symposium zur Regenerativen Medizin in Regensburg. Spitzenforscher aus aller Welt tauschten sich über die Behandlung von Gelenkknorpelschäden aus.

Schäden an Gelenkknorpel sind eine häufige Folge von Sportverletzungen - neben Bänderrissen und Meniskusverletzungen. Ende November tagten internationale Spitzenforscher am UKR, um sich über den Stand der Therapie von Gelenkknorpelschäden sowie zusätzliche Therapiemöglichkeiten auszutauschen. Das Symposium "Translation in Regenerative Medicine" (TIRM) wurde von Prof. Dr. Peter Angele, Abteilung für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum und Sporthopaedicum Regensburg und Prof. Susanne Grässel, Orthopädische Klinik der Universität Regensburg, konzipiert und geleitet.  

Je nach der Größe des Knorpelschadens sind unterschiedliche Therapieansätze empfehlenswert, waren sich die Experten einig. Bei kleinen Defekten und bei Kindern und Jugendlichen zeigt die Mikrofrakturierung oder Anbohrung gute Ergebnisse. Vergleichbar mit der Vertikutierung eines Rasens wird der Knochen unterhalb des Knorpels an mehreren, winzigen Stellen vorsichtig eröffnet, sodass Stammzellen aus dem Knochenmark in das verletzte Knorpelareal einwandern und dort eine Ersatzknorpelschicht bilden.

Bei Knorpelverletzungen mittlerer Größe ist nach derzeitigem Forschungsstand die osteochondrale Transplantation (OCT) die Therapie der Wahl. Dazu wird ein gesunder Knorpelabschnitt mitsamt einem Stück des darunter liegenden Knochens in die geschädigte Region verpflanzt.

Großflächige Knorpelschäden bereiteten in der Vergangenheit sehr große Probleme. Nicht selten konnten sie nicht behoben werden, sodass die Betroffenen mit einem künstlichen Gelenk versorgt werden mussten. Hier konnten in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt werden. In diesen Fällen kommt inzwischen die Knorpelzelltransplantation - auch autologe Chondrozyten Transplantation (ACT) genannt -   erfolgreich zum Einsatz. Hierfür werden dem Patienten zunächst Knorpelzellen entnommen, die anschließend in einem Labor vermehrt und gezüchtet werden. Nach etwa drei Wochen werden die so entstandenen körpereigenen Zellen in den defekten Bereich eingesetzt. "Mit der Knorpelzelltransplantation können wir nun auch Patienten mit großen Knorpelschäden helfen. An entsprechenden Zentren für Knorpeltherapie wird diese Technik bereits angeboten. Die Technik ist sicher und zeigt auch in ersten Langzeitstudien gute Ergebnisse" sagt Prof. Angele. Entscheidend für einen positiven Verlauf sei jedoch auch, dass Begleitverletzungen wie Meniskusschäden oder Bandinstabilitäten bzw. eine Achsabweichung des Beines entsprechend mitbehandelt werden.

Muskuloskelettales Zentrum (MZR)

Längst sind nicht alle Fragen der Behandlung von Knorpelschäden geklärt. Am Uniklinikum Regensburg wird deshalb intensiv an dieser Thematik weitergeforscht. Seit Mai 2010 haben die orthopädische Klinik und die unfallchirurgische Abteilung ihre Forschungskompetenz zusammengelegt um im Kompetenznetzwerk "Muskuloskelettales Zentrum an der Universitätsklinik Regensburg (MZR)" die Knorpeltherapie weiter zu optimieren.

Ein Schwerpunkt der Forschung am MZR ist die regenerative Medizin und zellbasierte Therapie für Knorpel- und Knochenverletzungen im Gelenk. Dieser Forschungsschwerpunkt bearbeitet Fragestellungen zur Regeneration von Gelenkknorpel- und Knochendefekten und zu Grundlagen der Arthrose. Ein weiterer Fokus liegt auf der Erforschung von adulten Stammzellen für ihren Einsatz im Tissue-Engineering für Knorpel- und Knochenersatzstoffe und beim Ersatz von Sehnen und Bändern.

Diese Forschungsbereiche sind immer noch eine Herausforderung für die Wissenschaft, welcher die Wissenschaftler aus Orthopädie und Unfallchirurgie gemeinsam begegnen. Die Regeneration und Herstellung von hochqualitativen und haltbaren Geweben und Organen im Reagenzglas (in vitro) ist Gegenstand intensiver biomedizinischer Forschung im MZR. "Die Vision ist es, durch in vitro Regeneration körpereigenen Knorpel langfristig zu ersetzen und damit auf ein künstliches Gelenk verzichten zu können", so Prof. Grässel.

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Letzte Aktualisierung: 10.12.2010 | Online-Redaktion
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