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17.05.2018

Bei Bluthochdruck das Gehirn täuschen

Das Team des Herzzentrums (v.l.n.r.): Professor Dr. Christian Stroszczynski (Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik), Professor Dr. Christof Schmid (Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie), Prof. Dr. Dirk Hellwig (Leiter der Abteilung für Nuklearmedizin), Professor Dr. Bernhard Graf (Direktor der Klinik für Anästhesiologie), Professor Dr. Lars Maier (Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II). © UKR / Klaus Völcker

Bluthochdruck: eine Volkskrankheit, die unbehandelt ernste Folgen haben kann. Der Welt-Hypertonie-Tag rückt deswegen am 17. Mai 2018 Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten in den Vordergrund. Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) bietet ein neues Verfahren zur effizienten Therapie von schwer einstellbarem Blutdruck an.

Etwa 30 Millionen Menschen in Deutschland, also etwa ein Drittel der Bevölkerung, leiden an Bluthochdruck (Hypertonie). Trotz hoher Werte lassen sich zehn Prozent der Betroffenen nicht behandeln, und 20 Prozent wissen gar nichts von ihrem Leiden. Denn Bluthochdruck äußert sich zunächst nicht in spürbaren Symptomen. Gefährlich, denn die Krankheit ist weltweit der größte Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für die Hälfte aller Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich. Auch das Risiko für Gefäßverkalkungen sowie Augen- und Nierenschäden steigt mit erhöhten Blutdruckwerten. Ist ein zu hoher Blutdruck einmal diagnostiziert, lässt er sich in der Regel mit Medikamenten gut einstellen. Doch nicht bei jedem schlägt die konventionelle Therapie an oder reicht als alleinige Form der Behandlung aus. Eine Alternative für diese Patienten bietet die Barorezeptorstimulation, ein Verfahren, das bisher deutschlandweit nur an wenigen Krankenhäusern angeboten wird. In Niederbayern und der Oberpfalz ist das Universitäre Herzzentrum Regensburg am UKR Anlaufstelle für diese innovative Therapie.

Die Barorezeptorstimulation basiert auf dem Prinzip der Täuschung. Den Patienten wird ein Stimulator, ähnlich einem Herzschrittmacher, in der linken Brustseite implantiert. Dieser sendet elektrische Signale an die Barorezeptoren. Diese speziellen Zellen an der Halsschlagader sind für die Regulation des Blutdrucks und des Kreislaufs mitverantwortlich. Sie leiten das Signal an das Gehirn weiter, wodurch ein dauerhaft erhöhter Blutdruck simuliert wird. Das Gehirn reagiert, indem es körpereigene Mechanismen zur Blutdrucksenkung auslöst. "Der große Vorteil dieser Therapie liegt darin, dass die körpereigenen Regelkreisläufe genutzt werden", erläutert Professor Dr. Marcus Fischer, Leiter des Herzkatheterlabors in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR. "Zudem lässt sich die Therapie durch verschiedene Einstellungsoptionen optimal auf die unterschiedlichen Patienten, deren individuelle Bedürfnisse und Tagesabläufe anpassen." Die Komplikationen bei der Operation sind äußerst gering und mit einer Herzschrittmacherimplantation vergleichbar. "Der Eingriff dauert nicht lange und die Patienten können in der Regel die Klinik bereits am Tag nach der Operation wieder verlassen", ergänzt Dr. Andreas Keyser, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie des UKR.

Neben der neuen Therapiemöglichkeit bei Bluthochdruck bietet die Barorezeptorstimulation noch einen weiteren Ansatz. "Die körpereigene Regulierung, die durch diese Stimulation ausgelöst wird, scheint darüber hinaus einen positiven Einfluss bei Patienten mit Herzschwäche zu haben", erklärt Professor Dr. Lars Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, einen weiteren vielversprechenden Effekt des Verfahrens. So konnten am UKR erste Studien bei Patienten mit chronischer Herzschwäche zeigen, dass die Barorezeptorstimulation sich positiv auf die Herz-Kreislauf-Regulation der Betroffenen auswirkt, wodurch die Zahl der Krankenhausaufnahmen bereits merklich reduziert werden konnte.

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Letzte Aktualisierung: 17.05.2018 | Online-Redaktion
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