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14.02.2019

Liebliche Redewendungen und ihre wissenschaftliche Bedeutung

© Fotolia / Andreka Photography

Der 14. Februar steht ganz im Zeichen der Liebe. So vielseitig die Liebe ist, so facettenreich sind auch die Redensarten um diesen Begriff. Unsere Experten erklären, warum Liebe durch den Magen geht und die Chemie stimmt.

"Liebe geht durch den Magen"

Professor Dr. Martina Müller-Schilling, Dr. Sophie Schlosser und Dr. Stephan Schmid, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des UKR:
Mehrere Studien zeigten, dass glückliche Paare im Durchschnitt mehr wiegen als Singles. Ebenso wiegen Personen in glücklichen Partnerschaften mehr als Personen in Partnerschaften, die sich in einer Krise befinden. Dies ist womöglich auf den sinkenden Konkurrenzdruck in glücklichen Partnerschaften zurückzuführen. Eine andere Studie zeigte, dass Frauen nach einem Essen stärker auf Romantik ansprechen.

Quellen: Klein, Thomas 2011: "Durch Dick und Dünn." Ergebnisse des Partnermarktsurvey zum Einfluss von Partnerschaft und Partnermarkt auf das Körpergewicht, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie: 459-479; Ely AV et al. The way to her heart? Response to romantic cues is dependent on hunger state and dieting history: An fMRI pilot study.


"Von Luft und Liebe leben"

Professor Dr. Martina Müller-Schilling, Dr. Sophie Schlosser und Dr. Stephan Schmid, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des UKR:
Das Hormon Phenylethylamin ist beim Verliebtsein besonders hoch und führt zu einem gezügelten Appetit.

Quelle: EM Parker.; LX Cubeddu (1988). "Comparative effects of amphetamine, phenylethylamine and related drugs on dopamine efflux, dopamine uptake and mazindol binding". Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics 245 (1): 199.


"Von Liebe inzifiert"

Professor Dr. Bernd Salzberger, Leiter der Stabsstelle Infektiologie des UKR:
Die Aussage "Von Liebe infiziert" hat sicherlich keinen wissenschaftlichen, sondern eher einen kulturellen Hintergrund, da der Begriff lange vor einem modernen Verständnis von Infektionskrankheiten entstanden ist. Wie eine Infektionskrankheit kann auch die Liebe Menschen so transformieren, dass die Umgebung annimmt, hier ist es zu einem Verlust der Gesundheit (oder des gesunden Menschenverstands) gekommen. Und der Pfeil Amors kann als Bild eines Infektionserregers gedeutet werden. Wie andere Verhaltensweisen auch, ist Liebe als Phänomen ansteckend, d.h. es tritt in Gruppen gehäuft und zeitlich assoziiert auf. Und letzten Endes bringt die Liebe auch eine Reihe von Infektionsgefahren mit sich: von der Übertragung von Herpesviren (z.B. Ebstein-Barr-Virus als Kusskrankheit) bis hin zur HIV-Infektion.


"Da stimmt die Chemie"

Professor Dr. Bernhard Weber, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Regensburg: Wenn auch unbewusst, können vermutlich alle höheren Lebewesen - also auch der Mensch - den genetischen Zustand der immunologischen Individualität eines Gegenübers über den Körpergeruch wahrnehmen. Dies beruht auf einer natürlichen genetischen Variabilität des sogenannten Haupthistokompatibilitätskomplexes (MHC). Frühere Testversuche haben gezeigt, dass bereits der Geruch eines getragenen T-Shirts ausreicht, damit eine Testperson einen Partner fiktiv wählt, bei der oder bei dem sich die Immungene deutlich unterscheiden. Das macht evolutionsbiologisch durchaus Sinn, da am Körpergeruch des Gegenübers unbewusst geprüft wird, ob es sich um einen geeigneten oder eher nicht geeigneten Partner im Sinne einer passfähigen immungenetischen Ausstattung handelt. Somit kann sichergestellt werden, dass der mögliche Nachwuchs die optimale genetische Ausstattung für die Abwehr von Krankheiten und somit eine höhere Überlebenschance besitzt. Wie ein solches "Erriechen" von genetischen Immunvarianten funktionieren könnte, ist zunächst schwer verständlich. Es geschieht jedoch vermutlich recht einfach über von MHC-Molekülen freigesetzte Duftstoffe, die von Geruchsrezeptoren in der Nase aufgenommen, erkannt und entsprechend eingeordnet werden. Interessant ist zudem, dass es offensichtlich ein Optimum für den genetischen Unterschied der Immunausstattung von zwei Sexualpartnern gibt. Ein Zuviel an Diversität der MHC-Moleküle scheint dabei ebenso wenig erstrebenswert wie ein Zuwenig. Eine zu große genetische Vielfalt führt nämlich zu autoaggressiven T-Zellen, die dann wiederum körpereigenes Gewebe angreifen und so zu Autoimmunerkrankungen führen.


"Liebe macht blind"

Professor Dr. Thomas Loew, Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin des UKR:
"Liebe macht blind" ist natürlich nicht im wörtlichen Sinn zu verstehen. Gemeint sind damit eine Verschiebung des Aufmerksamkeitsfokus und eine entsprechende Veränderung des Schwellenwertes. Ein Botenstoff, der im Gehirn das Gefühl von Verliebtheit entstehen lässt, ist Dopamin. Am besten können wir dessen Wirkung verstehen, wenn wir die Analogie zu einem psychiatrischen Krankheitsbild herstellen: der wahnhaften Störung. Die Amerikaner sagen dazu jargonhaft: "firm, fixed, false idea". "Firm" bedeutet, die Person ist von dem Sachverhalt überzeugt, ohne dass es weitere Argumente bräuchte. "Firm" meint, der Zustand hält einige Zeit an, allgemein bei der Verliebtheit etwa sechs Wochen. "False" bedeutet, dass nicht unbedingt jeder im Umfeld die uneingeschränkt positive Bewertung des Objekts der Begierde teilt. Das Bewertungsraster ändert sich. Weitere Neurotransmitter, die daneben auch noch ins Spiel kommen, sind die Endorphine, die ein Glücksgefühl vermitteln und eine schnelle Zufriedenheit herstellen können: Die Liebenden reichen sich, zumindest in der ersten Phase, vollkommen aus. Kommt dann noch die körperliche Berührung ins Spiel, wird zusätzlich das Oxytocin, im Volksmund "Kuschelhormon" aktiviert, das auf Dauer dann eine Bindung entstehen lässt. Soziologisch gesehen hat die stabile Bindung zu Menschen den Vorteil, dass man keinen psychischen Aufwand betreiben muss, um den anderen neu kennen zu lernen oder sein eigenes Verhalten zu kontrollieren, man versteht sich sozusagen "blind".

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Letzte Aktualisierung: 14.02.2019 | Online-Redaktion
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