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24.05.2019

Neuer Behandlungsstandard für komplexe Arm- und Beinverletzungen

Arme und Beine sind entscheidend für Mobilität und Selbständigkeit eines Menschen. Bei einer entsprechenden Erkrankung oder Verletzung hängt für Betroffene daher viel von einem guten Behandlungsverlauf ab. Um eine bestmögliche Therapie anbieten zu können, wurde am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) nun ein Extremitätenboard eingerichtet.

Er ist sein Leben lang gerne Auto gefahren und war immer stolz auf seine gute Unfallbilanz. Bis zu diesem einen Tag im März dieses Jahres. Heinz Brunner (Name geändert) war auf dem Weg nach Hause, als ihm ein Fahrzeug entgegenkommt. Die Folgen: multiple, teilweise sehr komplexe Knochenbrüche an beiden Beinen. Im Universitätsklinikum Regensburg wird der 70-Jährige operativ versorgt und stabilisiert. Nun aber, einige Wochen später, bereitet die Wundheilung aufgrund der Verletzungsdimension und bestehender Vorerkrankungen wie Diabetes und Herzschwäche Probleme. Zur optimalen Behandlung müssen andere Fachbereiche hinzugezogen werden. Hierfür wurde kürzlich ein sogenanntes Extremitätenboard eingerichtet, von dessen Vorteilen Heinz Brunner nun als einer der ersten Patienten profitiert. „Bei unserem Extremitätenboard handelt es sich um eine gemeinsame Fallbesprechung aller an der Behandlung beteiligten medizinischen Fachdisziplinen. Durch diese gesammelte Expertise können wir die für den einzelnen Patienten optimale Behandlungsstrategie entwickeln. Der Patient erhält außerdem in einem Schritt die Meinung verschiedener Ärzte“, erklärt Professor Dr. Dr. Volker Alt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des UKR, seine Motivation für das Extremitätenboard.

Gemeinsam wird die beste Lösung für jeden Patienten gefunden

 Der Fall von Heinz Brunner verdeutlicht eindrücklich die Vorzüge einer solchen Konferenz. An beiden Beinen weist er großflächige Verletzungen mit teilweise offenen Wunden auf. Es wurde bereits versucht, die Wunden durch Hautransplantationen zu verschließen, allerdings zeigt dies nur bei einem Bein Aussicht auf Erfolg. Neben den schweren Verletzungen sind bei Heinz Brunner auch die bestehenden Vorerkrankungen zu berücksichtigen, die Einfluss auf Medikation und Genesung haben.

Im Extremitätenboard des UKR arbeiten die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, die Klinik für Anästhesiologie, die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, die Abteilung für Gefäßchirurgie, das Institut für Röntgendiagnostik, die Stabsstelle Infektiologie, das Institut für Mikrobiologie und Hygiene sowie das Institut für Pathologie zusammen. Bei der Besprechung von Heinz Brunner konnten Gefäßchirurgen und Radiologen zur Tiefe der Schädigungen des problematischeren Beins beraten. Außerdem wurde gemeinsam mit den Infektiologen über die Folgen einer Infektion der offenen Wunde diskutiert. Die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKR stellte zudem die verbleibenden Möglichkeiten in Bezug auf weitere Hauttransplantationen vor. Gemeinsam wurde auch eine Amputation des problematischeren Beins diskutiert. „Im Extremitätenboard bringen alle Beteiligten ihre Sichtweise ein. Jeder Fall wird aus allen Blickwinkeln bewertet, um so das beste Ergebnis für den Patienten zu erzielen“, ergänzt Professor Alt.

Das Team des Extremitätenboards am UKR (v.l.n.r.): Professor Dr. Christian Stroszczynski (Röntgendiagnostik), Professor Dr. Dr. Volker Alt (Unfallchirurgie), Professor Dr. Dr. André Gessner (Mikrobiologie und Hygiene), Professor Dr. Karin Pfister (Gefäßchirurgie), Professor Dr. Bernd Salzberger (Infektiologie), Professor Dr. Dr. Lukas Prantl (Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie).
Das Team des Extremitätenboards am UKR (v.l.n.r.): Professor Dr. Christian Stroszczynski (Röntgendiagnostik), Professor Dr. Dr. Volker Alt (Unfallchirurgie), Professor Dr. Dr. André Gessner (Mikrobiologie und Hygiene), Professor Dr. Karin Pfister (Gefäßchirurgie), Professor Dr. Bernd Salzberger (Infektiologie), Professor Dr. Dr. Lukas Prantl (Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie).
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Die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des UKR steht dem Trauma-Netzwerk Ostbayern (TNO) vor. Darin sind verschiedene Kliniken der gesamten ostbayerischen Region zusammengeschlossen, um flächendeckend in Niederbayern und der Oberpfalz eine schnelle Versorgung schwerstverletzter Patienten gewährleisten zu können. Im Rahmen dieser Kooperation steht das Extremitätenboard am UKR allen beteiligten Häusern, aber auch anderen niedergelassenen Ärzten offen, die ihre Patienten in der multidisziplinären Fallbesprechung vorstellen möchten. Das Extremitätenboard findet jeden Dienstag um 15:00 Uhr im UKR statt. Ärzte können ihre Patientenfälle telefonisch unter 0941 944-6805 anmelden.

Qualitätsmerkmal Teamarbeit

Die Idee einer gemeinsamen Fallkonferenz kommt aus der Krebsmedizin. Dort sind Tumorboards, in denen Vertreter aller beteiligten medizinischen Disziplinen über die beste Therapieoption für den Patienten beraten, schon seit einiger Zeit gängige Praxis und auch ein etabliertes Qualitätsmerkmal onkologischer Zentren. So werden beispielsweise auch im University Cancer Center Regensburg wöchentlich Tumorkonferenzen durchgeführt, in dem jeder Patient gemeinsam besprochen wird.

„Auch bei Extremitäten ist eine optimale Behandlung nur im Rahmen eines interdisziplinären Teams möglich“, so Professor Alt. Denn aufgrund einer zunehmend alternden Bevölkerung treten knöcherne aber auch Weichteilprobleme an Armen und Beinen vermehrt auf. Hinzu kommen zunehmend Begleiterkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche, Demenz oder Osteoporose, für die es die Expertise aus verschiedenen Fachbereichen braucht. 

 

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Letzte Aktualisierung: 24.05.2019 | Online-Redaktion
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