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01.04.2021

Interdisziplinäres Wirbelsäulenboard am UKR etabliert

Prof. Alt und Prof. Schmidt (erste Reihe v.li.) und das interdisziplinäre Team des Wirbelsäulenboards.

Um die Versorgung von Patienten mit komplexen Wirbelsäulenverletzungen oder -erkrankungen weiter zu verbessern, etabliert das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) nun ein „Wirbelsäulenboard“. Spezialisten verschiedener medizinischer und therapeutischer Fachbereiche arbeiten in diesem Rahmen interdisziplinär zusammen, um den betroffenen Patienten von Beginn an in seiner individuellen Situation ganzheitlich zu behandeln.

Wohl kaum ein Körperteil steht im Zusammenhang mit Schmerzen und Problemen mehr im Fokus als der Rücken. Gelten Rückenschmerzen doch allgemein als Gesellschaftserkrankung Nummer eins, die jeder auch von sich selbst kennt. Dabei ist es wichtig, die Beschwerden nicht einfach hinzunehmen, sondern hinsichtlich der Art, der Stärke und der Ursachen genau zu analysieren. War zum Beispiel ein Unfallereignis der Auslöser? Können Fehl- bzw. Überlastungen identifiziert werden? Bestehen eventuell Infektionen oder Tumoren an der Wirbelsäule? Erst nach umfassender Diagnostik kann die richtige Therapieentscheidung getroffen werden.  

„Schwere Verletzungen oder Erkrankungen an der Wirbelsäule haben für die Betroffenen und ihr Umfeld oft massive, manchmal irreparable Konsequenzen. Um diesen Patienten noch besser helfen zu können und eventuelle Folgen zu verhindern bzw. abzumildern, haben wir uns entschlossen, ein Wirbelsäulenboard zu etablieren“, erläutert Professor Dr. Dr. Volker Alt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des UKR, die Beweggründe für die neue Einrichtung. „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im bereits vorhandenen Wirbelsäulenzentrum des UKR wird damit weiter intensiviert und erlaubt es, unseren Patienten eine noch individuellere und den modernsten Standards entsprechende Behandlung anbieten zu können, in dem wir von Anfang an alle Fachdisziplinen einbinden“, so Professor Alt weiter.

Dazu treffen sich die interdisziplinären Experten aus Unfallchirurgie, Neurochirurgie und Radiologie einmal wöchentlich zu einer detaillierten Fallbesprechung. Konkret geht es darum, optimale Therapiemöglichkeiten und Behandlungsspektren für jeden einzelnen Fall zu erörtern und festzulegen. Seien es minimalinvasive oder Roboter-gestützte Operationen, nicht-operative Behandlungsverfahren wie zum Beispiel das Anspritzen von Schmerzpunkten oder konservative Behandlungen durch das Team der Physiotherapie des UKR. „Gerade weil sich die Wirbelsäule aus vielen verschiedenen Komponenten wie Knochen, Nerven und Rückenmark zusammensetzt, können ebenso vielfältige Erkrankungen oder Verletzungen an ihr auftreten. Diese Komplexität macht es sinnvoll, dass wir gemeinsam auf die Patientenfälle schauen“, sagt Professor Dr. Nils Ole Schmidt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des UKR.

Expertise bei radiologischen Untersuchungen als zentraler Diagnose-Bestandteil

Jede beteiligte Klinik kann im Vorfeld Fälle beim Wirbelsäulenboard anmelden, um durch die interdisziplinäre Aufarbeitung eine ganzheitliche Sicht auf das zu Grunde liegende Geschehen zu bekommen und eine fundierte medizinische Therapieempfehlung im Sinne des Patienten zu geben. Dabei ist es entscheidend, dass die Experten auf präziseste Diagnosedaten zugreifen können. Von besonderer Bedeutung sind dabei die bildgebenden Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) und Kernspin- bzw. Magnetresonanz-Aufnahmen (MRT). „Gerade CT- oder MRT-Schnittbilder erlauben einen Blick in den Patienten, der auch feinste Veränderungen erkennen lässt und damit maßgeblich die Behandlungsmöglichkeiten beeinflusst“, erklärt Professor Dr. Christian Stroszczynski, Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik des UKR, die Aufgabe seines Fachbereiches im Wirbelsäulenboard. „Oft hilft uns der Vergleich aktueller, hochauflösender Bilder mit früheren Aufnahmen des betroffenen Patienten, den Verlauf einer Erkrankung ganz konkret nachvollziehen zu können und mit einer spezifischen Behandlung aufzuhalten oder im Idealfall auch zu beenden“, so Professor Stroszczynski. Neben zahlreichen Spezialverfahren wie der Gelenkdarstellung (Arthographie) und der bildgesteuerten Schmerztherapie stehen dem Team auch die funktionellen Verfahren Szintigraphie, SPECT und PET der Abteilung für Nuklearmedizin für die präzise Abklärung von Beschwerden zur Verfügung. Darüber hinaus können gezielt Punktionen durchgeführt werden, zu deren Auswertung das Institut für Pathologie, die Abteilung für Neuropathologie und bei Fragen hinsichtlich Wirbelsäuleninfektionen auch das Institut für Mikrobiologie einbezogen werden. 

Allgemeinzustand und bestehende Vorerkrankungen fließen in Beurteilung mit ein

In die Beurteilung jedes einzelnen Patienten fließen dessen Vorerkrankungen und selbstverständlich seine aktuelle körperliche und psychische Verfassung mit ein, um ein Gesamtbild zeichnen zu können. „Gerade die Wirbelsäule mit ihren unterschiedlichen Komponenten kann Auslöser für verschiedenste Krankheitsbilder im gesamten Körper sein“, erklärt Professor Alt. „Am Ende muss immer ein ganzheitlich analysiertes Ergebnis stehen, auf dessen Grundlage wir unseren Patienten alle möglichen Therapieoptionen darlegen, aber auch mögliche Risiken schildern.“ Das Spektrum der Ergebnisse aus dem Wirbelsäulenboard kann von einer konservativen Behandlung bis hin zu einer Operation - mit anschließender stationärer und ambulanter physiotherapeutischer Behandlung – oder auch palliativen Therapien reichen.
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Letzte Aktualisierung: 01.04.2021 | Online-Redaktion
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