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08.06.2021

Welt-Hirntumor-Tag 2021: Interview mit Professor Hau

Professor Dr. Peter Hau leitet das Zentrum für Hirntumoren Regensburg (ZHT Regensburg) am Universitätsklinikum Regensburg. Zum diesjährigen Welt-Hirntumor-Tag beantwortet der Experte unsere Fragen rund um das Thema Hirntumoren.

Wie äußert sich ein Hirntumor?

Hirntumoren äußern sich sehr unterschiedlich – je nachdem, wo im Gehirn sie lokalisiert sind. Die häufigsten Symptome sind Lähmungserscheinungen einer Körperhälfte sowie Sprach- oder Gedächtnisstörungen.

Welche verschiedenen Arten von Hirntumoren gibt es?

Es gibt hirneigene Tumoren und Metastasen von anderen Tumoren im Gehirn. Hirneigene Tumoren werden nach ihrem Ursprungsgewebe im Gehirn eingeteilt, während man Hirnmetastasen als Absiedlungen von bösartigen Erkrankungen nach dem Ursprungsorgan klassifiziert. Prinzipiell kann in jedem Teil des Gehirns ein Tumor entstehen, sobald sich eine entartete Zelle zu einem Tumor weiterentwickelt. Daher gibt es sehr viele verschiedene Arten von Hirntumoren – insgesamt über 200.

Wie häufig sind Hirntumoren? Sind Hirntumoren vererbbar?

Hirneigene Tumoren sind selten. Der häufigste und bösartigste Hirntumor ist das Glioblastom (Hirngebewebetumor), das im Einzugsgebiet Ostbayern des ZHT Regensburg mit ca. zwei Millionen Einwohnern nur etwa 60 mal pro Jahr als Neudiagnose vorkommt. Andere Hirntumoren wie das Meningiom (Hirnhauttumor) sind häufiger und oft deutlich besser zu behandeln. Hirntumoren werden äußerst selten vererbt, sondern treten meist zufällig auf.

Wer gehört zur Risikogruppe?

In Familien, in denen Hirntumoren vorkommen, zählen alle Blutsverwandten zur Risikogruppe. Diese Tumoren sind aber sehr selten. Des Weiteren werden Personen, die vor längerer Zeit eine Schädelbestrahlung erhalten haben, als Risikogruppe eingestuft.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bietet das ZHT Regensburg für betroffene Patienten? Wie sehen die Heilungschancen aus?

Um unsere Patienten umfassend versorgen zu können, arbeiten im ZHT Regensburg Experten unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen Hand in Hand zusammen. Wir bieten unseren Patienten zahlreiche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten nach modernstem Stand der Wissenschaft an. Hierzu gehören mikrochirurgische und endoskopische Tumoroperationen, die je nach Bedarf fluoreszenzgestützt, neuronavigiert, im Wachzustand und / oder unter kontinuierlicher elektrophysiologischer Monitoringkontrolle erfolgen, sowie molekulare Untersuchungen der Tumorgenetik, moderne Methoden in der Bildgebung, verschiedene Bestrahlungsmethoden einschließlich Radionuklidtherapien, Chemotherapien sowie Immuntherapien, individuelle Therapieversuche und zahlreiche klinische Studien. Beteiligt ist somit die Expertise aus Neurochirurgie, Neurologie, Neuropathologie, Neuroradiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie und Internistischer Onkologie. Die Experten treffen sich einmal pro Woche zur Besprechung aller Fälle mit Hirnmetastasen und hirneigenen Tumoren in einer Tumorkonferenz und stehen auch außerhalb dieser Konferenzen in engem Austausch – auch zu innovativen Forschungsansätzen.

Die Heilungschancen hängen von der Tumorart ab. Meningiome sind in den meisten Fällen heilbar, das Glioblastom ist hingegen nicht heilbar, kann aber oft über längere Zeit gut behandelt werden. Bei nicht heilbaren Tumoren muss immer zwischen einer möglichst langen Lebenszeit und einer möglichst guten Lebensqualität abgewogen werden. Die Lebensqualität steht jedoch stets im Vordergrund – beispielsweise durch Einbeziehung der Psychoonkologie und des Sozialdienstes, um die betroffenen Patienten umfassend zu versorgen.

Was war bisher Ihr größter Behandlungserfolg?

Hier fallen mir spontan einige unserer jüngeren Patienten ein. Als wir bei einigen von ihnen kurz davor waren, die Therapie zu beenden, konnten wir im Tumorboard doch noch eine Therapiemethode finden, durch welche die Patienten teilweise über Jahre in einer guten Lebensqualität mit dem Tumor leben konnten. Solche Erfolge spornen natürlich an, immer weiter an der Verbesserung der Therapie von Patienten mit Hirntumoren zu arbeiten und zu forschen!

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Letzte Aktualisierung: 08.06.2021 | Online-Redaktion
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