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28.10.2021

20 Jahre Psychoonkologie am UKR

Seit 20 Jahren steht das Team des Psychoonkologischen Dienstes des UKR als Ansprechpartner für Patienten und Angehörige sowie als Mittler zwischen Ärzten und Betroffenen zur Verfügung. Prof. Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Mitte), Dr. Martin Vogelhuber, Ärztlicher Leiter (4.v.li.), und Dipl.-Psych. Ingrid Schön, Psychologische Leiterin (3.v.re.), freuen sich zusammen mit dem Team über das Jubiläum.

Etwa 10.000 onkologische Patienten in direkter Begleitung und Hilfestellung für weit über 70.000 Krebspatienten. Der Psychoonkologische Dienst des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) leistet seit nunmehr zwei Jahrzehnten einen wertvollen Dienst in der Versorgung von Patienten mit Krebserkrankungen. Denn nicht nur die medizinische Therapie ist ein wichtiger Baustein für eine mögliche Genesung, sondern auch die psychische Gesundheit spielt eine zentrale Rolle.

„Warum gerade ich? Wie geht’s jetzt weiter? Was, wenn mir nicht geholfen werden kann?“ Eine Krebsdiagnose verändert für den Betroffenen und sein Umfeld meist von einem Moment auf den anderen alles. Ängste und Sorgen bestimmen die Gedanken. Zugleich stehen in dieser psychischen Ausnahmesituation wegweisende Entscheidungen für die beginnende medizinische Therapie an, aber auch Fragen der Familienorganisation, der beruflichen Zukunft und nicht selten auch der finanziellen Absicherung.

Die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR erkannte frühzeitig, wie wichtig es ist, Krebspatienten nicht nur medizinisch zu betreuen, sondern von der Diagnose an auch psychoonkologisch zu begleiten, und etablierte im Jahr 2001 ein psychoonkologisches Expertenteam am UKR. Damals war an eine regelhafte Refinanzierung als Kassenleistung nicht zu denken. Deshalb wurde das Projekt mit Spendengeldern der Leukämiehilfe Ostbayern e.V. initiiert und stetig weiterentwickelt. „Wir sehen uns als Mittler zwischen Ärzten, Pflegepersonal, Angehörigen und Patienten“, erklärt Ingrid Schön, Psychologische Leiterin des Psychoonkologischen Dienstes. „Während Patienten und Angehörige unmittelbar nach der Diagnosestellung oft überfordert sind, unterstützen wir in der Kommunikation zwischen dem medizinischen Personal und der Seite der Betroffenen. Doch das ist meist nur der Anfang unserer Arbeit. So besonders jede einzelne Erkrankung ist, so individuell gehen wir auf jeden Patienten und seine persönliche Situation ein – manchmal nur mit wenigen Gesprächen, manchmal über viele Jahre hinweg“, führt die Diplom-Psychologin weiter aus.

Passenden Umgang mit Angehörigen, Freunden und Kindern finden

Die Betreuung durch das zehn Personen umfassende Team beginnt mit der Diagnosestellung und endet erst, wenn die medizinische Therapie beendet ist. Neben der Aufgabe als Kommunikator bietet der Psychoonkologische Dienst konkrete Unterstützung bei der seelischen Verarbeitung der Therapie und ihrer Nebenwirkungen, bei der Alltagsbewältigung wie auch bei der Vermittlung ambulanter Unterstützungsangebote nach der Klinikentlassung und bei der Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen. Dabei ist die Einbindung der Angehörigen ein wesentliches Merkmal der Psychoonkologie am UKR. „Aus medizinischer Sicht sind eine Krebsdiagnose und die daraus abzuleitende Therapieempfehlung meist eindeutig, doch was eine solche Diagnose mit dem Betroffenen direkt danach und im weiteren Verlauf der Therapie macht, lässt sich oftmals erst später erkennen. Genau dort setzt das psychoonkologische Team an und schließt frühzeitig auch die Angehörigen in die Gespräche ein. Denn nur wenn der Betroffene und seine Lieben wissen, wie sie über die Krankheit und ihre damit verbundenen Sorgen sprechen können, gelingt es, gemeinsam den Kampf gegen den Krebs aufzunehmen“, hebt Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, die Notwendigkeit der Patientenbetreuung durch den Psychoonkologischen Dienst hervor.

Über allem steht immer das Mittel des Gespräches. Sei es als Beratung in einer konkreten Fragestellung oder als psychotherapeutische Unterstützung bei Belastungsreaktionen, wenn sich Krebspatienten ihren Ängsten, Nöten und Sorgen stellen. „Kontinuität bei unseren Patientengesprächen ist wichtig. Viele Betroffene oder Angehörige können sich nur nach und nach öffnen. Wir reichen ihnen die Hand und versuchen, ihnen, so gut es geht, Gelassenheit im Umgang mit der Erkrankung zu vermitteln und damit Kräfte für ihre Genesung freizusetzen“, erklärt Dr. Martin Vogelhuber, Oberarzt und Ärztlicher Leiter des Psychoonkologischen Dienstes sowie Ärztlicher Psychotherapeut.

Besonders schwierig gestalten sich die Gespräche oftmals, wenn Eltern minderjähriger Kinder betroffen sind. „Diese Situationen sind immer herausfordernd für alle Beteiligten, denn zur Angst der Patienten gesellt sich immer noch die Sorge um den Partner und im Besonderen um die Kinder“, so Ingrid Schön. Da sei es wichtig, die Eltern zu beraten, um einen kindgerechten Umgang mit der Erkrankung zu finden. Auf der anderen Seite sei es ebenso wichtig, die Fragen der Kinder und Jugendlichen zur Erkrankung ihrer Eltern offen und umfassend zu beantworten und Kinder nicht mit ihren Ängsten allein zu lassen. Aus diesem Grund gibt es als Besonderheit im Psychoonkologischen Dienst am UKR eine Kinder- und Familiensprechstunde.   

Psychoonkologischer Dienst als fester Bestandteil der onkologischen Versorgung

Am UKR entstand der Psychoonkologische Dienst auf Initiative und mit der Unterstützung der Leukämiehilfe Ostbayern e.V. sowie der José Carreras Leukämie-Stiftung. „Wir haben damals die Notwendigkeit gesehen, dass wir unseren Patienten über eine medizinische Behandlung hinaus eine professionelle und breit angelegte psychologische Betreuung bieten sollten, um ihnen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern“, erklärt Professor Dr. Reinhard Andreesen, Leiter der früheren Abteilung für Hämatologie und internistische Onkologie des UKR sowie 1. Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern.
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Letzte Aktualisierung: 28.10.2021 | Online-Redaktion
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