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Glanzlichter biomedizinischer Forschung - August 2015

Neue Strategien im Kampf gegen Krebs

Spontane Defekte im Schaltplan einer Körperzelle, sogenannte Mutationen, können sowohl gut- als auch bösartig sein. Zelleigene Reparaturmechanismen sind zumeist in der Lage, diese Fehler zu korrigieren. Gelingt dies allerdings nicht, kann sich eine bösartig veränderte Zelle unkontrolliert vermehren, es entsteht Krebs. Für die Therapie von Krebspatienten stehen derzeit die chirurgische Tumorentfernung sowie medikamentöse Chemotherapien und die Strahlentherapie zur Verfügung. Allerdings ist der Erfolg von Chemotherapien oftmals sehr unterschiedlich und schwer vorhersagbar. Aufgrund der nicht allein auf Tumorzellen beschränkten Wirkung kommt es zudem zur Schädigung gesunden Gewebes. Die Entwicklung tumorspezifischer und zielgerichteter Therapiestrategien würde die Behandlung von Tumorpatienten deutlich verbessern.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Dr. Martin Ehrenschwender vom Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Regensburg untersuchte die Wirkung des körpereigenen Proteins TRAIL, welches in der Lage ist, Zelltod spezifisch in entarteten Zellen auszulösen. Trotz vielversprechender Daten in Zellkulturexperimenten war der klinische Einsatz von TRAIL bislang wenig erfolgreich. Die Forscher konnten nun zeigen, dass beim kolorektalen Karzinom (Darmkrebs) die unkontrollierte Aktivierung der Phosphatidylinositol-3-Kinase entscheidend das Ansprechen von Tumoren auf eine tumorselektive Chemotherapie mit TRAIL beeinflusst. Eine Mutation verhindert nicht nur das Absterben der erkrankten Zellen bei einer TRAIL-Therapie, sondern fördert sogar das Wachstum von Tumoren und deren Ausbreitung. Die Regensburger Arbeitsgruppe entschlüsselte als zugrundeliegenden molekularen Mechanismus das Protein XIAP (X-linked inhibitor of apoptosis), welches das vollständige Ablaufen einer Signalkaskade blockiert und dadurch Krebszellen gegenüber TRAIL resistent werden lässt. Die Kombination von TRAIL mit XIAP-angreifenden Substanzen bietet einen neuartigen therapeutischen Angriffspunkt, der sich in Zellkulturexperimenten bereit als äußerst effektiv zeigte.

Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift "Cell Death & Disease" veröffentlicht und können zukünftig für die Entwicklung neuer tumorspezifischer Therapien in der klinischen Behandlung von Krebspatienten genutzt werden.

Publikation:

XIAP-targeting drugs re-sensitize PIK3CA-mutated colorectal cancer cells for death receptor-induced apoptosis.
In: Cell Death and Disease (2014) 5, e1570;
doi: 10.1038/cddis.2014.534. Published online 11 December 2014.
M. Ehrenschwender, S. Bittner, K. Seibold, H. Wajant

    Kontaktdaten
Dr. med. Dr. rer. nat. Martin Ehrenschwender Dr. med. Dr. rer. nat. Martin Ehrenschwender
Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene
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Telefon: 0941 944-6440
E-Mail: martin.ehrenschwender@ukr.de
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Letzte Aktualisierung: 03.08.2015 | Online-Redaktion
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