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Glanzlichter biomedizinischer Forschung - Juni 2015

Verbesserung der Risikoabschätzung vonTyp-II Endoleaks nach endovaskulärer Aneurysmaversorgung (EVAR) der Bauchaorta

Die endovaskuläre Aneurysmareparatur (EVAR) der Bauchaorta ist der offenen chirurgischen Aneurysmaversorgung in puncto perioperativer Morbidität und Mortalität klar überlegen. Ein Nachteil des endovaskulären Verfahrens ist jedoch, dass bei etwa 18 % der Patienten unmittelbar nach dem Eingriff sogenannt Endoleaksentstehen. Hierbei handelt es sich um einen ungewollten persistierenden Blutfluss zwischen der Aneurysmawand und dem Stentgraft (Gefäßprothese aus Kunststoff mit stabilisierendem Drahtgeflecht). Dieser kann zu einer Größenzunahme des Aneurysmas und bis zur Ruptur des Gefäßes führen. Derzeit werden fünf verschiedene Endoleaktypen unterschieden, wobei das Typ-II Endoleak mit Abstand am häufigsten auftritt. Typ-II Endoleaks entstehen durch den retrograden Blutfluss noch offener natürlicher Seitenäste der Bauchaorta wie beispielsweise durch Lumbalarterien, die A. mesenterica inferior (AMI) oder auch akzessorische Nierenarterien. Kann nur eine zu- bzw. abführende Arterie identifiziert werden, handelt es sich um ein simples Typ-II Endoleak (Typ-IIA). Stehen mehrere Gefäße mit dem Endoleak in Verbindung, so spricht man von einem komplexen Typ-II Endoleak (Typ-IIB).
Die Arbeitsgruppe um PD Dr. René Müller-Wille (Institut für Röntgendiagnostik, Interventionelle Radiologie) konnte in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Gefäßchirurgie des UKR morphologische Risikofaktoren identifizieren, welche eine Größenzunahme des Aneurysmas unter dem Einfluss eines Typ-II Endoleaks anzeigen. Hierfür wurden retrospektiv verschiedene morphologische Parameter von Typ-II Endoleaks in der ersten postoperativen, kontrastmittelverstärkten Computertomographie (CT) analysiert. Eine Volumenzunahme des Aneurysmas um ≥ 5% wurde als relevant eingestuft. 
Es konnte gezeigt werden, dass v.a. komplexe Typ-II Endoleaks (complex IMA-LA-EL-II, odds ratio [OR] = 10.29, P = .004) und der Durchmesser der größten zu- bzw. abführenden Arterie (OR = 4.55, P = .013) mit einer Größenzunahme des Aneurysmas assoziiert waren. Die Ergebnisse sind klinisch relevant, da anhand dieser Daten bei Patienten mit einem frühen Typ-II Endoleak das individuelle Risiko für eine zu erwartende Aneurysmavergrößerung mit hoher Sicherheit abgeschätzt werden kann. Risikopatienten können nun frühzeitig identifiziert und entsprechend engmaschig kontrolliert sowie gegebenenfalls frühzeitig mittels interventioneller Endoleakembolisation behandelt werden.

Publikation: 

CT Features of Early Type II Endoleaks after Endovascular Repair of Abdominal Aortic Aneurysms Help Predict Aneurysm Sac Enlargement.
Radiology. 2015 Mar;274(3):906-16
Müller-Wille R, Schötz S, Zeman F, Uller W, Güntner O, Pfister K, Kasprzak P, Stroszczynski C, Wohlgemuth WA. 


  

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PD Dr. med René Müller-Wille PD Dr. med René Müller-Wille
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E-Mail: rene.mueller-wille@ukr.de
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Letzte Aktualisierung: 18.06.2015 | Online-Redaktion
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