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Glanzlichter biomedizinischer Forschung

Neuer Therapieansatz bei gestreuten Krebszellen

Bislang war unklar, wann ein Krebs sich über das lokale Wachstum hinaus ausbreitet und in andere Organe streut. Wir haben über 1.000 Melanom-Patienten untersucht und konnten zeigen, dass die Streuung in den nächstgelegenen (Wächter-) Lymphknoten bereits sehr früh, bei einer Tumordicke von 0,5 mm erfolgt. Die Melanomzellen verfügen zu diesem frühen Zeitpunkt der Streuung allerdings noch über relativ wenig Mutationen. Zahlreiche, für ihr Wachstum entscheidende Veränderungen erwerben sie erst innerhalb der Zielorgane, im Fall unserer Studie im Lymphknoten. Zu diesen Veränderungen zählen besonders Mutationen des BRAF Proto-Onkogens und Verluste und Zugewinne von chromosomalen Regionen, die das Tumorsuppressor-Gen CDKNA2 oder das Onkogen MET tragen. Zellen mit diesen Veränderungen führen nicht nur zur Tumorbildung in immundefizienten Mäusen, sondern erhöhen auch das Risiko der Patienten, am Melanom zu versterben.

Die Erkenntnis, dass Melanomzellen sich früh vom Primärtumor absiedeln und im Zielorgan weiter genetisch verändern, hat Bedeutung für die Entwicklung von adjuvanten Therapien. Gemeint sind damit Verfahren, die sich nach Entfernung des Primärtumors auf die frühzeitige Eliminierung der gestreuten Krebszellen konzentrieren und dadurch die Bildung tödlicher Metastasen in verschiedenen Organen verhindern sollen. Hierfür sind neuartige therapeutische Substanzen nötig, die bei den früh disseminierten, genetisch unreifen Krebszellen ansetzen, bei denen die typischen, bislang genutzten therapeutischen Zielstrukturen reifer Krebszellen (noch) fehlen können.

Die vorliegende Arbeit schafft Grundlagen für das Verständnis und die Voraussetzungen zur Entwicklung neuer Therapiekonzepte.

Publikation:
M. Werner-Klein, S. Scheitler, M. Hoffmann et. al
Genetic alterations driving metastatic colony formation are acquired outside of the primary tumour in melanoma.
Nature Communications 9, Article number: 595 (2018).
Doi: 10.1038/s41467-017-02674-y

 

Name Kontaktdaten
Dr. rer. nat. Melanie Werner-Klein Experimentelle Medizin und Therapieverfahren; RCI Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie E-Mail: melanie.werner-klein@ukr.de
Dr. rer. nat. Sebastian Scheitler Experimentelle Medizin und Therapieverfahren; Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin, Bereich Personalisierte Tumortherapie E-Mail: sebastian.scheitler@ukr.de
Dr. rer. nat. Martin Hoffmann Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin, Bereich Personalisierte Tumortherapie E-Mail: martin.hoffmann@item-fraunhofer.de
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Letzte Aktualisierung: 15.06.2018 | Online-Redaktion
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