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Glanzlichter biomedizinischer Forschung

Neuer Biomarker für die Präzisionstherapie des Östrogenrezeptor-positiven, HER2-negativen Mammakarzinoms

Eine endokrine Therapie mit Tamoxifen (TAM) oder mit einem Aromatase-Inhibitor (AI) ist seit Jahren Standard für die Therapie des Östrogenrezeptor-positiven, HER2-negativen Mammakarzinoms. Beim Einsatz von TAM nutzt man entweder den Östrogenrezeptor selbst als therapeutische Zielstruktur oder man inhibiert mit einem AI die körpereigene Synthese des zugehörigen Liganden, des Östrogens. TAM und AI können alternativ oder sequentiell verwendet werden, wobei nicht vorhergesagt werden kann, welche der beiden Behandlungsmodalitäten im Einzelfall effektiver ist, bzw. gegenüber welcher Substanz eine Resistenz vorliegt oder unter Therapie entwickelt wird.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Brockhoff konnte zeigen, dass die Expression des HER4-Rezeptors, eine dem EGFR- und HER2-Rezeptor verwandte Rezeptor-Tyrosin-Kinase, eine entscheidende Rolle für das Ansprechen auf die TAM-Therapie spielt. Die retrospektive, quantitative Untersuchung an 258 Mammakarzinomen hat ergeben, dass sowohl das krankheitsfreie Überleben, als auch das Gesamtüberleben bei TMA-therapierten, postmenopausalen Frauen signifikant länger ist, wenn die Tumorzellen keine oder nur eine geringe HER4-Expression aufzeigten. Im Gegensatz dazu wirkt sich eine HER4-Expression aber nicht ungünstig auf die Therapie mit einem AI aus. Daher kann postuliert werden, dass eine Berücksichtigung der HER4-Expression die Therapieentscheidung (TAM vs. AI) unterstützt, um eine individuell optimale, also möglichst präzise endokrine Therapie einzuleiten.

Die Untersuchungen am Hormonrezeptor-positiven Tumormaterial der Patientinnen wurden von experimentellen in-vitro Arbeiten der Forschungsgruppe untermauert: Eine Herunterregulation der HER4 Rezeptorexpression führte zu einer signifikant erhöhten Sensitivität von Hormonrezeptor-positiven Tumorzellen gegenüber einer TAM-Behandlung. In der in Breast Cancer Res publizierten Arbeit schlagen die Autoren einen molekularen Mechanismus, nämlich die kompetitive Interaktion von HER4 und TAM mit dem Östrogenrezeptor vor, der für das individuelle Ansprechen auf eine TAM-Therapie in An- und Abwesenheit der Rezeptor-Tyrosin-Kinase verantwortlich ist.

Die prospektive Validierung der HER4 als Biomarker für die Effizienz einer TAM- bzw. AI-basierten endokrinen Therapie wird ein weiterer Baustein für die präzisierte Therapie von Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinomen sein.

Publikation:

Wege AK, Chittka D, Buchholz S, Klinkhammer-Schalke M, Diermeier-Daucher S, Zeman F, Ortmann O, Brockhoff G.: HER4 expression in estrogen receptor-positive breast cancer is associated with decreased sensitivity to tamoxifen treatment and reduced overall survival of postmenopausal women. Breast Cancer Res. 2018 Nov 20;20(1):139. doi: 10.1186/s13058-018-1072-1. PubMed PMID: 30458882.

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Prof. Dr. rer. nat. Gero Brockhoff
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Priv.-Doz. Dr. med. vet. Anja-Kathrin Wege
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Letzte Aktualisierung: 03.06.2019 | Online-Redaktion
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