Ein Abschied nach fast 20 Jahren: Professor Dr. Christof Schmid geht in den Ruhestand
Eine offene Tür, ein Telefon, das auch am Wochenende klingeln durfte, und die Bereitschaft, Verantwortung nicht nur für die Medizin, sondern auch für die Menschen dahinter zu übernehmen: So lässt sich die Zeit von Professor Dr. Christof Schmid am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) wohl besonders gut beschreiben. Fast 20 Jahre lang stand der gebürtige Ravensburger an der Spitze der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie. Am 30. September 2026 verabschiedet er sich nun in den Ruhestand.
Seit seinem Amtsantritt am 1. April 2007 hat Professor Schmid die Entwicklung der Herzchirurgie am UKR entscheidend geprägt. Er hat medizinische Verfahren weiterentwickelt, neue Strukturen aufgebaut und gemeinsam mit seinem Team die Klinik zu einem leistungsstarken Zentrum ausgebaut. Doch wenn er auf seine fast zwei Jahrzehnte in Regensburg zurückblickt, sind es nicht allein medizinische Erfolge, die ihm in Erinnerung bleiben werden. „Meine Tür war immer offen und wenn es ein Problem gab, durften mich meine Mitarbeiter auch nachts oder am Wochenende anrufen. Für mich war es selbstverständlich, nicht nur Verantwortung für die Medizin, sondern auch für die Menschen zu übernehmen, die gemeinsam mit mir diese Arbeit machen“, sagt Professor Schmid. Diese Haltung war für ihn kein bloßes Führungsprinzip, sondern Teil seines Verständnisses von ärztlicher Verantwortung. Wer mit ihm gearbeitet hat, erlebte einen Klinikdirektor, der ansprechbar blieb – auch dann, wenn der Alltag im OP, auf Station oder in der Klinik besonders fordernd war.
Vom Traum vom Jet-Piloten zum Herzchirurgen
Dabei war der Weg von Professor Schmid in die Medizin keineswegs vorgezeichnet. In seiner Heimat Weingarten/Ravensburg träumte er zunächst von einer ganz anderen beruflichen Zukunft: Er wollte Luft- und Raumfahrttechnik studieren und Pilot werden. Dass er stattdessen einmal als Chirurg und Herzchirurg arbeiten würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen.
Sein beruflicher Weg führte ihn unter anderem an die Universitätskliniken Hannover und Münster und schließlich nach Regensburg. Hier übernahm er 2007 die Leitung der Klinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie und widmete sich einem Fach, das ihn über Jahrzehnte nicht mehr loslassen sollte. Seine klinischen Schwerpunkte lagen unter anderem in der Bypass- und Klappenchirurgie, auch mit minimalinvasiven Verfahren, sowie in der Implantation von Kunstherzen und die thorakale Aortenchirurgie. Eine besondere Bedeutung hatte für ihn jedoch stets die Herztransplantation.
„Eingriffe am offenen Herzen und insbesondere die Herztransplantation sind lebensgefährliche Operationen, und man darf nie vergessen, welche Verantwortung man dabei trägt. Aber dankbare Patienten nach einem erfolgreichen Eingriff zu sehen und diese Dankbarkeit auch über Jahre hinweg zu erfahren, war der größte Lohn“, blickt Professor Schmid zurück. Gerade an der Herztransplantation zeigt sich, was ihn an seinem Beruf besonders fasziniert hat, die Verbindung aus hochkomplexer Medizin, handwerklichem Können und einer Verantwortung, die weit über den eigentlichen Eingriff hinausgeht. Hinter jeder Operation stand für ihn ein Mensch – und damit eine persönliche Geschichte.
Verantwortung an die nächste Generation weitergeben
Vielleicht erklärt sich daraus auch seine besondere Verbundenheit mit der Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Denn Professor Schmid hat selbst früh erfahren, wie wichtig es ist, Verantwortung übernehmen zu dürfen. Während seiner eigenen Lehrzeit konnte er vieles selbst ausprobieren und lernen, was für ihn bis heute zu einer guten chirurgischen Ausbildung gehört: das sichere Beherrschen des Handwerks ebenso wie wissenschaftliches Arbeiten und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen. Dieses Vertrauen wollte er auch an die nächste Generation weitergeben. Er förderte junge Kolleginnen und Kollegen, unterstützte sie bei ihrer fachlichen Entwicklung und gab ihnen die Möglichkeit, zunehmend selbst Verantwortung zu übernehmen. Dabei blieb seine Tür auch für Fragen offen, auf die es nicht immer eine einfache Antwort gab.
Neben der Ausbildung war die Weiterentwicklung der Medizin am UKR ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen baute Professor Schmid neue Strukturen auf und entwickelte bestehende Angebote weiter. Ein Beispiel dafür ist das interdisziplinäre ECMO-Zentrum, das während seiner Zeit am UKR aufgebaut und zu einem der führenden Zentren Deutschlands für die Extrakorporale Membranoxygenierung entwickelt wurde. Auch über die Klinik hinaus brachte Professor Schmid seine medizinische Expertise ein. Unter anderem war er vielfach als medizinischer Gutachter vor Gericht tätig.
Was bleibt, wenn die Tür sich schließt?
Nach fast zwei Jahrzehnten am UKR schließt sich für Professor Dr. Christof Schmid nun die Tür zur Klinik, eine Tür, die für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über viele Jahre weit offenstand. Zurück bleiben medizinische Erfolge, gewachsene Strukturen und ein starkes Zentrum für Herzchirurgie. Vor allem aber bleiben die Menschen, die ihn als Arzt, Vorgesetzten, Lehrer und Mentor erlebt haben, und die Erinnerung an einen Klinikdirektor, für den medizinische Verantwortung und Menschlichkeit untrennbar miteinander verbunden waren.
Nun beginnt für Professor Schmid ein neuer Lebensabschnitt, mit viel mehr Zeit für seine Familie und für das, was in 40 Jahren Berufsleben oft warten musste: Sport, Bergwandern, Motorradtouren und vor allem das Klavierspielen. Nach Jahren, in denen die Klinik seinen Alltag bestimmt hat, darf nun auch das Leben jenseits der Klinik wieder mehr Raum bekommen.
Downloads
Verwendung der Medien ausschließlich im Zusammenhang mit diesem Beitrag


