Glanzlicht biomedizinischer Forschung - Juni 2022
Einfluss von myeloidem HIF1α auf die kieferorthopädische Zahnbewegung
Der Transkriptionsfaktor HIF1α kontrolliert die Anpassung von Geweben an einen Sauerstoffmangel. Bei der kieferorthopädischen Zahnbewegung zur Korrektur von Zahnfehlstellungen wird eine mechanische Kraft auf den zu bewegenden Zahn ausgeübt. Neben parodontalen Ligamentfibroblasten (PDLF) werden auch Immunzellen wie Makrophagen diesen Kräften ausgesetzt. Während HIF1α in PDLF nicht nur durch einen reduzierten Sauerstoffgehalt, sondern auch durch mechanische Kompression stabilisiert werden kann, reicht diese in Makrophagen alleine hierfür nicht aus. Die von der DFG geförderte Studie wurde durchgeführt, um die Rolle des myeloiden HIF1α während der kieferorthopädischen Zahnbewegung in Wildtyp- und Hif1αΔmyel-Mäusen, welche kein HIF1α in myeloiden Zellen exprimieren, zu untersuchen.
Wir konnten zeigen, dass das Ausmaß der Zahnbewegung bei den Hif1αΔmyel-Mäusen erhöht war. Dies könnte auf eine beobachtete geringere Knochendichte und erhöhte Expression von Osteoklasten-Markern zurückzuführen sein. Myeloides HIF1α scheint daher während der kieferorthopädischen Zahnbewegung eine knochenprotektive Rolle zu spielen.
Eine gezielte Stabilisierung von myeloidem HIF1α während einer kieferorthopädischen Therapie, wie wir sie bereits in vitro über DMOG (Dimethyloxallylglycin) induziert haben, könnte daher zukünftig ein möglicher Therapieansatz zur Reduzierung parodontaler Risiken bei einer kieferorthopädischen Therapie sein.
Publikation:
Kirschneck C, Straßmair N, Cieplik F, et al. Myeloid HIF1α Is Involved in the Extent of Orthodontically Induced Tooth Movement. Biomedicines. 2021 Jul 8;9(7):796.

