Mit dem Labor in den OP: UKR erforscht objektive Qualitätskontrolle bei Eigenfetttransplantationen
Die Qualität von Eigenfetttransplantaten spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg einer Brustrekonstruktion. Bislang fehlt jedoch ein objektives Verfahren, mit dem die Beschaffenheit des Fettgewebes bereits während des Eingriffs beurteilt werden kann. Im Forschungsprojekt „Qualitätsgesteuerte autologe Brustrekonstruktion“ arbeitet die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) gemeinsam mit weiteren Standorten an einer Lösung für dieses Problem. Das UKR ist dabei für die klinische Validierung des neuartigen Mikroskops verantwortlich und wird hierfür über einen Zeitraum von drei Jahren mit 325.000 Euro gefördert. Die Gesamtsumme des standortübergreifenden Forschungsprojekts beträgt 1,4 Millionen Euro.
Eigenfetttransplantationen können in ausgewählten Fällen zum Aufbau oder zur Rekonstruktion der weiblichen Brust eingesetzt werden, etwa nach einer Krebserkrankung, bei angeborenen Fehlbildungen oder nach unfallbedingten Gewebeverlusten. Dabei wird Fettgewebe aus einer Körperregion entnommen und zur Wiederherstellung der Brustform in das Empfängergebiet eingebracht. Der Behandlungserfolg hängt unter anderem davon ab, wie vital und qualitativ hochwertig das transplantierte Gewebe ist.
Qualität des Gewebes bislang nur schwer vorhersehbar
Die Qualität von Eigenfetttransplantaten kann sowohl zwischen verschiedenen Patientinnen als auch innerhalb eines einzelnen Transplantats erheblich schwanken. Dadurch sind die Einheilungs- und Resorptionsraten bislang nur eingeschränkt vorhersehbar. Mögliche Folgen sind unter anderem die Bildung von Ölzysten oder Fettgewebsnekrosen. Eine objektive intraoperative Qualitätsmessung gibt es bisher nicht. „Bislang müssen wir die Qualität des entnommenen Fettgewebes anhand indirekter Kriterien einschätzen. Unser Ziel ist es, künftig unmittelbar im Operationssaal erkennen zu können, welche Gewebeschichten und welche Fettanteile sich besonders gut für eine Transplantation eignen“, sagt Professor Dr. Dr. Lukas Prantl, Direktor der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKR. „Damit wollen wir die Eigenfetttherapie planbarer machen und die Voraussetzungen für eine möglichst zuverlässige Rekonstruktion verbessern.“
Mikroskop ermöglicht Analyse ohne Färbung
Die klinische Validierung am UKR umfasst zwei zentrale Bereiche. Zunächst soll intraoperativ ein objektiver Graft Quality Score, also ein Qualitätswert für das Transplantat, ermittelt werden. In einem zweiten Schritt wird untersucht, wie dieser Wert mit dem späteren Behandlungsergebnis zusammenhängt und ob er den klinischen Verlauf vorhersagen kann.
Dabei werden nicht nur die Eigenschaften des transplantierten Fettgewebes, der sogenannte „Seed“, berücksichtigt. Auch patientenbezogene systemische Faktoren wie Alter oder Body-Mass-Index, der „Host“, sowie die Bedingungen im Empfängerbett, dem sogenannten „Soil“, fließen in die Untersuchungen ein. Auf diese Weise soll ein umfassendes Modell entstehen, das die komplexen Voraussetzungen für das Anwachsen und die langfristige Stabilität des transplantierten Gewebes abbildet. Das standortübergreifende Forschungsprojekt soll damit die Grundlage für eine qualitätsgesteuerte autologe Brustrekonstruktion schaffen. Langfristig könnte die Technologie dazu beitragen, Eigenfetttransplantationen objektiver zu planen, Risiken zu reduzieren und die Behandlungsergebnisse für Patientinnen nach Erkrankungen, Verletzungen oder Fehlbildungen weiter zu verbessern.
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