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Augenheilkunde

Forschung

  • Klinische Studien sind notwendig, um Erkenntnisse über die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Arzneimitteln oder Behandlungsmöglichkeiten zu gewinnen oder vorhandene Therapien zu optimieren. Von den Ergebnissen können später alle Patienten profitieren. Bevor Sie an einer klinischen Studie teilnehmen können, muss diese von der Ethikkommission zustimmend bewertet und von den zuständigen Behörden genehmigt werden.

    Die Teilnahme an klinischen Studien ist freiwillig, kostenlos und kann jederzeit abgebrochen werden. 

    Regelmäßig suchen wir Patientinnen und Patienten, die sich zur Teilnahme an klinischen Studien bereiterklären.

    Wir führen bei uns Studien zu verschiedenen Diagnosen durch:

    • Altersbedingte Makuladegeneration: "feuchte Form" und "trockene Form"
    • Geographische Atrophie bei altersbedingter Makuladegeneration
    • Diabetisches Makulaödem und Diabetische Retinopathie
    • Makulaödem nach retinaler Venenastthrombose / Zentralvenenthrombose
    • Glaukom ("Grüner Star") 

    Wir möchten Sie einladen, als Proband/in an klinischen Studien bei uns im Haus teilzunehmen. Ihre Sicherheit liegt uns am Herzen und hat jederzeit oberste Priorität. Gerne beantworten wir Ihre Fragen allgemein und zu den aktuell laufenden Studien!

     

    Studienbüro

    0941 944-9259
    0941 944-9184
    studienzentrum@eye-regensburg.de

    Ansprechpartner

    Prof. Dr. Andreea Gamulescu, Leiterin

    Dr. Svenja Tamm, Studienärztin

    Sabine Brandl, Studienkoordination

    Nicole Bauereiß, Studienassistenz

     

    Principal Investigators

    Prof. Dr. Horst Helbig

    Prof. Dr. Andreea Gamulescu

    Dr. Roman Greslechner

  • Visusminderungen und Erblindungen finden sich häufig bei den klinisch vielfältigen Krankheitsbildern der degenerativen Netzhauterkrankungen, die derzeit nicht oder nur unzureichend therapierbar sind.
    Die häufigste Form der senilen Visusbeeinträchtigungen in westlichen Industriestaaten ist die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Sie betrifft über vier Millionen Menschen in Deutschland. Bei allen degenerativen Netzhautdystrophien stellt das pathologische Zusammenspiel von genetischen Prädispositionen, Umweltfaktoren und komplexen Stoffwechselwegen eine Herausforderung für die Therapie und Prävention dar.

    Die Arbeitsgruppe „Immuntherapien für degenerative Augenerkrankungen“ hat sich eine patientenorientierte Forschung und Therapieentwicklung für chronische, neurodegenerative Erkrankungen des Netzhaut/Pigmentepithel/Aderhaut-Komplexes zum Ziel gesetzt. Immuntherapien sind bereits für unterschiedliche Krankheitsbilder erfolgreich, was diverse zugelassene monoklonale Antikörper in Europa und den USA zeigen. Darunter sind auch Präparate zur Behandlung der neovaskulären AMD. Wirksame Behandlungen der atrophischen AMD, einer häufig vorkommenden späten Form der AMD, sind nicht vorhanden, werden aber seit vielen Jahren dringend von Patienten erwartet (Volz & Pauly, 2015).

    Die interagierenden, pathologischen Mechanismen des Immunsystems, Lipidstoffwechsels und die Antworten auf oxidativen Stress sind Angriffsziele für blockierende oder stimulierende Antikörpertherapien (Pujol-Lereis et al., 2015). Als Risikofaktoren für die Entstehung der AMD sind neben Alter und Rauchen auch genetische Veränderungen der alternativen Komplementkaskade identifiziert worden (Weber et al., 2014). Die alternative Komplementkaskade ist ein angeborener Weg des Immunsystems, der eine lokale Entzündung im Auge induzieren kann. Eine akute Entzündungsreaktion ist hilfreich zur Beseitigung von Stoffwechselendprodukten, aber eine chronische Aktivierung des Komplementsystems kann zur pathologischen Schädigung des Gewebes führen.

    Kürzlich konnten wir zeigen, dass monoklonale Antikörper gegen Properdin das alternative Komplementsystem in vitro inhibieren können (Pauly et al., 2014). Diese Antikörper werden aktuell in weiteren Testverfahren auf ihren potentiellen Einsatz beim Menschen getestet.

    Zusätzlich werden dem Komplementfaktor H (CFH) und den CFH-verwandten Proteinen (CFHR) 1 und 3 Schlüsselrollen bei der AMD zugeordnet. Die Deletion der CFHR3/1-Gene implizierte einen protektiven Effekt für die AMD, aber der genaue Einfluss von CFHR1 und 3 auf die Pathogenese der Erkrankung wurde bis jetzt nicht untersucht. Unser Ziel ist es, mittels monoklonaler Antikörper diese Zielproteine der Komplementkaskade zu beeinflussen, um eine Abschwächung der Entzündung im Auge bei der AMD zu bewirken.

    Entsprechend den Erkenntnissen aus genomweiten Assoziationsstudien der letzten Jahre, dass das Komplementsystem eine Schlüsselrolle bei Erkrankungen des älteren Auges spielt, könnte unsere Forschung neuartige Zielproteine und Werkzeuge für die Entwicklung von verbesserten Versorgungsmöglichkeiten für die Gen- oder Antikörper-basierte AMD-Therapie liefern. Durch die Applikation von Immuntherapeutika wollen wir möglichst früh in das Krankheitsgeschehen eingreifen und Patienten helfen.

    Gefördert durch die Velox-Stiftung und die DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft

     

    Antikörper bei der Therapie der altersabhängigen Makuladegeneration

    Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist einer der Hauptgründe für Erblindungen in Deutschland. Diese multifaktorielle Erkrankung resultiert aus einem Zusammenspiel von Alter, Umwelt und genetischen Prädispositionen. Bei der Form der trockenen AMD kommt es durch die Kombination von oxidativem Stress, Mikroglia-Aktivierung  und einem verändertem Gleichgewicht des Zellstoffwechsels zur Ablagerung von modifizierten Proteinen, Amyloid-Beta und anderen Stoffwechselprodukten in Drusen zwischen dem retinalen Pigmentepithelium (RPE) und der Bruch-Membran. Drusen behindern die Nährstoffversorgung des RPEs und der Photorezeptoren. Dadurch kann es zur chronischen Aktivierung des Komplementsystems kommen, was weitere Immunzellen anlockt. Diese Prozesse führen zum Zelltod in der Netzhaut. Die feuchte Form der AMD ist dagegen charakterisiert durch eine Neovaskularisierung, die die Bruch-Membran durchdringt und in den subretinalen Bereich einwandert. Vaskuläre, endotheliale Wachstumsfaktoren (VEGF), die durch Müllerzellen, RPE-Zellen und Immunzellen sezerniert werden, initiieren diese Mechanismen. Durch eine Ödembildung kann es dabei zur Gewebeschädigung kommen.

    Die Antikörper-basierte Therapie der feuchten AMD mit VEGF-Inhibitoren ist eine großartige Erfolgsgeschichte, die hoffen lässt auf wirkungsvolle Antikörperentwicklungen für noch nicht behandelbare andere AMD-Varianten. Derzeit befinden sich viele Antikörper gegen verschiedene Zielproteine in der präklinischen und klinischen Phase zur Entwicklung einer AMD-Therapie. Potentielle, hoffnungsvolle Antikörperkandidaten beeinflussen die Angiogenese, das Komplementsystem, Entzündungsprozesse oder die Ablagerung von Amyloid-Beta.

    Besonders die große Zahl der Komplementinhibitoren in der präklinischen Phase und der Antikörper Lampalizumab in der Phase III der klinischen Testung weist auf eine wichtige Rolle des Immunsystems bei der Entstehung der AMD hin. Es ist aber unwahrscheinlich, dass nur ein Medikament als Heilmittel für die verschiedenen AMD-Phänotypen gefunden wird. Vorstellbar ist eher eine Art Antikörperbaukastensystem, der eine Patienten-zugeschnittene Behandlung ermöglicht.

    Die therapeutischen Antikörper unterscheiden sich nicht nur in ihren Zielproteinen, sondern auch in der Struktur. Der nicht-humane Anteil der Aminosäuresequenz nimmt dabei von Mausantikörpern (-o-) über chimäre Antikörper (-xi-) und humanisierte Antikörper (-zu-) zu vollständig humanen Antikörpern (-u-) ab. Das Zusammenspiel von applizierten Antikörpern und der Aktivierung des Immunsystems kann besonders bei der AMD eine Rolle spielen, da die Blut-Augen-Schranke unterbrochen sein kann. Die Immunogenität der Antikörper ist dabei von humanen Antikörpern über humanisierte und chimäre Antikörper zu Mausantikörpern ansteigend.

    Die Antikörperentwicklung ist aber nicht nur mit der Spezifität oder Immunogenität eines Antikörpers konfrontiert, sondern viele verschiedene theoretische, technische und Studien-relevante Hürden müssen bei der Therapieentwicklung für die AMD genommen werden. Vor einer Antikörperherstellung müssen beispielsweise für die Auswahl eines erfolgsversprechenden Zielproteins folgende Parameter berücksichtigt werden: Zielsignalweg, Wirkungsort und die Strategien zur präklinischen Entwicklung. Die Basis für einen Langzeiterfolg des Medikamentes sind außerdem die richtige Antikörperform und eine passende Darreichungsform, die gleichzeitig eine Patientenzufriedenheit fördern und eine effiziente Wirkung ermöglichen soll. Aber Antikörperpräpratate haben mit anderen chemischen Medikamentenentwicklungen gemeinsam, dass auch bei diesen Entwicklungen die Pharmakokinetik und das richtige klinische Studiendesign entscheidend für eine aussagekräftige Beurteilung der Wirksamkeit eines neu entwickelten Antikörper-Medikamentes ist.

    Die Entwicklungsprogramme zu Antikörpern in der AMD-Therapie sehen also hoffnungsvoll aus und es bleibt abzuwarten, welcher der Kandidaten es schafft in den Antikörperwerkzeugkasten aufgenommen zu werden um eine personalisierte Therapie der AMD-Patienten zukünftig zu ermöglichen.

     

    Ansprechpartnerin

    Prof. Dr. rer. nat. Diana Pauly, Leitung

    0941 944-9228   diana.pauly@ukr.de

    Referenzen