Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I
AG Prof. Dr. Dr. h.c. Martina Müller-Schilling
p53-Familie und Apoptose bei Erkrankungen der Leber
Die p53-Familie ist von entscheidender Bedeutung für Tumorentstehung, Therapieansprechen und Prognose beim hepatozellulären Karzinom, aber auch bei anderen Tumorerkrankungen. Neben der Reparatur von DNA-Schäden bzw. Induktion von Apoptose in irreparabel geschädigten Zellen umfassen die Funktionen des Tumorsuppressorproteins p53 und seinen Familienmitgliedern p63 und p73 die Regulation einer Vielzahl zellulärer Prozesse. Die Effektormechanismen der p53–Familie beruhen auf ihrer Funktion als Transkriptionsfaktoren. Aufgrund der Verwendung multipler Promotoren sowie alternativen Splicings entstehen aus Genen der p53–Familie variable Isoformen, welche wiederum unterschiedliche Funktionen (onkogen versus tumorsuppressiv) ausüben können. Der Fokus unserer Arbeitsgruppe liegt auf der Identifizierung der molekularen Mechanismen, die das Zusammenspiel der einzelnen Isoformen und deren Zielstrukturen koordinieren.
Darmbarriere und spontan bakterielle Peritonitis bei Leberzirrhose
Die spontan bakterielle Peritonitis (SBP) ist eine schwere Komplikation bei Leberzirrhose mit einer hohen Sterblichkeit von bis zu 66 % im ersten Jahr. Wesentlich für die Entstehung ist eine geschwächte Darmbarriere, die Bakterien das Eindringen in die Bauchhöhle ermöglicht. Unsere Daten zeigen, dass das Darmepithel bei Betroffenen deutlich geschädigt ist: Die schützende Schleimschicht ist dünner und die Verbindungen zwischen den Darmzellen sind gestört. In Laborversuchen mit Darmzellmodellen konnten wir beobachten, dass Bakterien wichtige Verbindungsproteine zwischen den Zellen abbauen. Diese Ergebnisse helfen, den Mechanismus der SBP besser zu verstehen und eröffnen neue Perspektiven für präventive und therapeutische Ansätze.
Link zur Publikation: https://gut.bmj.com/content/71/3/580.long
Darm-Organoide als individuelle Modelle für die Forschung an der Darmbarriere
Zur patientennahen Untersuchung der Darmbarriere nutzen wir sogenannte Organoide, die wir aus Darmbiopsien gewinnen. Diese dreidimensionalen Zellkulturen bilden die natürliche Struktur des Darmepithels detailgetreu nach und ermöglichen es uns, individuelle Krankheitsmechanismen direkt am Gewebe der Patient:innen zu untersuchen. So können wir passgenaue Fragestellungen zu Barrierefunktion, Entzündungsreaktionen und bakteriellen Einflüssen besser verstehen und gezielt therapeutische Ansätze entwickeln.
Internationale Kooperationen:
- P. Krammer, DKFZ Heidelberg
- V. De Laurenzi, Chieti
- G. Melino, Rom
- M. Oren, Rehovot
- M. Tavassoli, London